Gian Carlo Ronelli - Das Tagebuch der Patricia White

  • Autor: Ronelli, Gian Carlo
    Titel: Das Tagebuch der Patricia White
    Verlag: Sieben
    Erschienen: 2013
    ASIN: B00C5N72BK
    Seitenanzahl: ?? 450


    Klappentext:
    Jack Reynolds erwacht verletzt und ohne jede Erinnerung in einem Motelzimmer. Offenbar wollte er sich Tags zuvor das Leben nehmen. Einziges Indiz ist ein Aufgabeschein von FedEx. Er hat vor dem Selbstmordversuch ein Päckchen an eine Adresse in New York City geschickt.


    In dem Päckchen befindet sich das Tagebuch der achtjährigen Patricia White. Alles deutet darauf hin, dass jemand Patricia bedroht. Ihr Leben ist in unmittelbarer Gefahr und Jack muss den Täter davon abhalten, sein tödliches Werk zu vollenden. Aber der lässt sich nicht ins Handwerk pfuschen. Seine Jagd auf Jack hat längst begonnen. Er will Jack nicht einfach töten. Er will vorher mit ihm spielen.


    Meine Meinung:
    Albträume. Albtraumhafte Visionen. Die Farbe rot. Wie Blut. Schleimig. Innereien, Körperflüssigkeiten. Das sind die ersten Eindrücke, die ich mir notiert habe. Und irgendwann habe ich begonnen, diese Sequenzen sehr schnell zu lesen. Es tut mir leid, Gian Carlo Ronelli hat sich wirklich Mühe damit gegeben, aber Albträume kann ich nicht haben, da komme ich nicht klar damit.


    Für mich persönlich wurde "Das Tagebuch der Patricia White" erst ab den letzten 25% - 20% wirklich fesselnd. Da konnte ich auch die vorausgegangenen "Horrortrips" beiseiteschieben und mich auf die Thriller-Ebene konzentrieren.


    Natürlich bin ich mir vollkommen bewusst, dass meine Meinung rein subjektiv ist. Und ganz nüchtern betrachtet ist dem Autor mit diesem Buch ein guter Psychothriller gelungen.


    Den Aufbau finde ich übrigens auch sehr interessant. Erst fragte ich mich, was der Titel soll, da es ja gar nicht um ein Tagebuch geht. Doch die Geschichte steuert darauf zu, langsam, Schritt für Schritt. Und während man so um das Tagebuch herum- (oder sich heran-) schleicht, muss man Jack Reynolds zusehen, wie er im Dunkeln tappt. Ohne Erinnerung von seinen Träumen und Visionen geplagt sucht er nach Antworten, zu denen er oft nicht mal die Fragen weiß.


    Sehr viel später wechselt die Story dann die Richtung und wird rückwärts erzählt, sodass ich endlich erfahren durfte, wie dieser ganze Schlamassel möglich wurde.


    Und noch mal später geht es dann aus polizeilicher Sicht um die Aufklärung des Falles. Die letzten losen Enden werden verknüpft, alle Puzzleteile finden ihren Platz und das schreckliche Bild wird in seiner ganzen Abscheulichkeit offenbart.


    Nachdem ich "Das Tagebuch der Patricia White" jetzt zu Ende gelesen habe, bin ich etwas versöhnt mit der ganzen Geschichte. Sehr lange war mir das Buch nur knapp ** wert, doch das Ende klettert Richtung *****.


    PS:
    Jetzt ist es an den Psychothriller-Fans, die Sterne hier in die Höhe zu treiben ;-)

  • Also ich habe mich anfangs auch total schwer getan, in die Handlung hineinzukommen. Ich kann mich noch erinnern, dass es schon damit begonnen hat, dass ich überrascht war, nach einigen Seiten zu lesen, dass die Hauptfigur ein Mann war. Irgenwie habe ich wohl vom Titel her die ganze Zeit darauf geschlossen, dass es eben mit besagter Patricia beginnt. Dass ich dann zum einen mit einer komplett anderen Figur zurecht kommen "musste" und es noch dazu sehr lange dauerte, bis mir einigermaßen bewusst war, um was es eigentlich geht, war das erste Drittel des Buches schon gelesen und meine Stimmung ziemlich am Nullpunkt. Die Geschichte wirkte so langatmig und uninteressant auf den ersten Seiten, dass ich knapp davor war, das Buch aus der Hand zu legen.


    Doch wie Sylvie schon geschrieben hat, plötzlich wendete sich das Blatt. Spannung kam auf, eine grausame Geschichte schien sich zu entwickeln und Stück für Stück lichtete sich endlich alles, was ich zuvor für langweilig empfunden hatte. Endlich konnte ich eintauchen in eine fesselnde Story. In den gleichen Momenten, in denen dem Protagonisten Jack Reynolds, sich Bruchstücke seines Lebens vor der Bewusstlosigkeit offenbarten, wurden sie auch mir als Leserin bewusst. Das gab dem ganzen Roman endlich den Kick, den ich als begeisterte Leserin von Thrillern einfach brauche.
    Und wie meine Vorschreiberin kann ich nur sagen, bleibt am Ball, auch wenn Euch dieses Buch anfangs noch ziemlich wirr und nichtssagend vorkommen mag, es lichtet sich Stück für Stück. Die besondere Art der Erzählweise zum Ende des Buches hin, nämlich als der Autor quasi rückwärts erzählt, hat meine Neugier nur noch gesteigert.


    Ich kann zwar jetzt den Bewertungsdurchschnitt nicht unbedingt anheben, aber auch ich vergebe gute 3 von 5 Sternen.

    "Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen."

    Johann Wolfgang von Goethe