Stephen King - Revival

  • Autor: King, Stephen
    Titel: Revival
    Originaltitel: Revival
    Verlag: Heyne
    Erschienen: 2. März 2015
    ISBN 10: 3837130118
    ISBN 13: 978-3837130119
    Länge 14 Stunden 54 Minuten

    http://www.audible.de/pd/Thril…vival-Hoerbuch/B00TGYPR0E



    Inhaltsangabe:
    Finster, mysteriös, elektrisierend. Stephen King garantiert Hochspannung!


    Der kleine Jamie bewundert den charismatischen Methodistenprediger Charles Jacobs, der seine Gemeinde für den Glauben begeistert - bis er selbst vom Glauben abfällt. In den folgenden Jahren trifft Jamie, inzwischen drogenabhängiger Musiker, immer wieder auf Jacobs, der ihn jedes Mal tiefer in seine dämonische Welt zieht. Als Jamie sich dessen klar wird, gibt es für ihn kein Zurück mehr.


    Meine Meinung:
    Es beginnt in einer amerikanischen Kleinstadt, 1962. Alles ist schön, idyllisch, Jamie ist das Jüngste von 4 Kindern - es wird sich gezofft, gespielt, gemault und Vater & Mutter werden geehrt. Die Mortons sind eine gläubige Familie, sie engagieren sich in der Kirche. Die Straßen sind zum Teil noch unbefestigt. Es ist staubig. Und Jamies Mom hofft den Staubsauger zu gewinnen. Alles ganz normal.


    Eines Tages im Oktober, spielt Jamie allein am Straßenrand mit seinen Soldaten, als ein Schatten auf sein Schlachtfeld fällt. Reverend Jacobs stellt sich vor. Er gehört zu den 'jungen Leuten', ist sympathisch, geht auf den Sechsjährigen ein und der mag ihn auf Anhieb.


    Es werden aber auch gleich zu Anfang Andeutungen gemacht, dass das Friede-Freude-Eierkuchen-Gefühl nicht ewig andauern wird: 'damals waren wir glücklich'.


    In 'Revival' begleitet man Jamie über 50 Jahre lang. Er erinnert sich an viel mehr, als er sich hat vorgestellen können, bevor er mit der Niederschrift begann. Es war nicht alles gut .... das Landleben war hart, es gab Unfälle, finanzielle Probleme, Höhen und Tiefen, und es gab Tiefen, oh ja!
    Schicksalsschläge bleiben nicht aus. Die Stimmung kippt; die Idylle wird madig Aber bei Stephen King ist das wahrhaftig keine Überraschung.


    Ich mochte von Anfang an Rev. Jacobs' elektrischen Experimente nicht ... Es ist offensichtlich, dass der Reverend von seiner 'geheimen Elektrizität' besessen ist. Wie Jamie Jahre später zu Jacobs sagt: 'Sie haben Ihre geheime Elektrizität, das ist Ihre Droge.'


    Die Stimung in 'Revival' ist typisch King. Erst schleicht sich eine Ahnung von 'Nicht-gut' ein, dann spürte ich unterschwellig etwas Böses, und am Ende lauerte der absolute Horror. Manchmal hatte ich tatsächlich Bammel weiterzuhören. Doch mir ging es wie dem erwachsenen James Morton

    Zitat

    Ich wollte zusehen, wie er die Büchse der Pandora öffnete und hineinspähte.


    So zog David Nathans Stimme mich immer weiter, bis zum bitteren Ende - dass es bitter werden würde, dafür braucht man nicht hellsichtig zu sein.


    'Revival' ließ mich trotz schrecklicher Voranungen nicht los. Die Gänsehaut gibt es beim Hören/Lesen gratis dazu. Und am Ende weiß ich, dass Jamies Aussage:

    Zitat

    Hab an den Tag gedacht, an dem ich Sie zum ersten Mal gesehen hab, da war ich erst sechs, ich hatte aus Erde einen Berg gebaut [...] und habe mit meinen Soldaten gespielt. Ein Schatten ist über mich gefallen, ich hab den Kopf gehoben und da standen sie.
    Jetzt habe ich gerade gedacht, dass Ihr Schatten mein ganzes Leben lang auf mich gefallen ist.


    den Nagel auf den Kopf trifft.



    Stephen King und David Nathan verdienen für dieses faszinierende, mitreißende Hörbuch die volle Punktzahl.



    Gebundene Ausgabe 512 Seiten


    E-Book

  • Wow! Du bist ja schon wieder so was von fix Sylvie ... da hinke ich noch meilenweit hinterher. Sprich King liegt noch eingeschweist auf meinem Nachttisch :rolleyes:
    Aber Deine Rezi ist klasse :bravo: und ich hoffe sehr, dass ich heute auch endlich auf Reverend Jacobs und Jamie stoße :thumbsup:

    "Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen."

    Johann Wolfgang von Goethe


  • Du wirst ebenfalls von 'Revival' elektrisiert sein @Rennie :top:

  • Ich kann mir gut vorstellen, dass mich David Nathan mit seiner unverwechselbaren, Gänsehaut erzäugenden, Stimme und den richtigen Hintergrundgeräuschen dazu mehr überzeugt hätte, als wenn ich „Revival“ nur selbst lese. Ich kann nun allerdings, zumindest bisher, nur für letzteres sprechen und muss leider zugeben, dass es "dieser King" mal nicht so richtig geschafft hat, mich zu begeistern.

    Keine Frage: Die für den Autor typische Stimmung, sprich die Atmosphäre, die Orte von denen er so gerne berichtet und die mich schon immer in eine Art Bann gezogen haben, all das geschah auch bei Revival mit mir.
    Schon nach den ersten Seiten sah ich den Handlungsort und die Figuren hautnah vor mir, was keinem anderen Schreiberling so exzellent gelingt, wie Herrn King. Seine lebendige Art zu schreiben, mir Bilder vor das geistige Auge damit zu präsentieren, das ist einmalig. So auch wieder hier.

    Allerdings fand ich die Story nicht gerade packend. Obwohl mir der Protagonist Jamie mit seiner Lebensart und dadurch dass ich ihn über viele Jahre seines Lebens hinweg begleitete, mehr als sympathisch war, so habe ich mir doch etwas mehr versprochen als nur „eine Lebensgeschichte“.
    Es gab immer wiederkehrende Begegnungen mit dem Ex-Reverend, der sich mehr und mehr zur dunklen Seite zu bewegen schien, den ich aber trotzdem nicht in eine Kategorie von Gut oder Schlecht einzuordnen vermochte. Auf diese Begegnungen wartete ich und selbstverständlich wollte ich endlich wissen, was es nun mit diesem Charakter in Wirklichkeit auf sich hat. Doch mich nur damit zu fesseln, genügte mir irgendwie nicht. Für mich entwickelte sich keine Spannung sondern ein teils langatmiges Warten auf das Ende verbunden mit einer hoffentlich guten Erklärung, Offenbarung oder wie auch immer man es beschreiben will, was Stephen King zum guten Schluss hin stets für seine Leser bereit hält.

    Horror? Nein … keinesfalls ist „Revival“ für mich in diese Schiene einzuordnen. Allerdings verbinde ich den Autor schon längst nicht mehr nur mit diesem Genre, denn dazu ist er mir zu vielseitig und nur schwer auf einen einzigen Bereich festzunageln.
    Auch wenn ich mich auf diese anderen Sphären immer mehr als gerne eingelassen habe und fast immer begeistert davon war, so muss ich diese Euphorie für „Revival“ doch ziemlich zurückschrauben.

    Dieser King war für mich zwar wieder ein recht guter, der mir erneut Einblicke in die von mir so heißgeliebte „King-Welt“ vermittelte und mich dort eintauchen ließ. Aber obwohl ich selbst oft mehr als einmal das Gefühl hatte, bei einer „Show“ des „Reverends“ mit im Zirkuszelt gesessen zu haben und obwohl ich mehr als einmal das Gefühl hatte, Jamie live als Gitarristen erlebt zu haben, so muss ich trotz allem sagen, dass mir „Revival“ auf meiner persönlichen Bewertungsskala von maximal 5 Sternen nur eine gute 3 wert ist.

    Vielleicht gönne ich mir mal David Nathan auf den Ohren und lasse mich eines Besseren belehren ;-)

    "Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen."

    Johann Wolfgang von Goethe


  • Nein, Revival ist nicht Kings Bester! Für einige Fans, wie mich, ist das sowieso schwierig nach "The Stand" - der Dunkle Turm hab ich ja noch vor mir - aber Jamie und der Rev haben etwas.
    Die Sache mit dem Schatten ist einfach genial. Fast glaube ich, dass das sich während dem Schreiben zufällig ergeben hat, wenn man ihm in seinem Buch "Das Leben und das Schreiben" seine Art des Schreibens abnimmt.
    David Nathan ist natürlich wieder mal "die Stimme" die alles raus holt aus dem Geschreibsel des King, was drin ist, und noch ein kleines bisserl mehr.
    Interessant ist natürlich der Werdegang vom Protagonisten, hier Jamie, mitzuerleben. Ereignisse, Schicksalsschläge und erneute Begegnungen mit dem Rev zeichnen die Geschichte bis zum (spannenden) Ende. Die Visionen von King bezüglich der "Tür" wollen wir ja wohl nicht ernst nehmen. Damit würde die Aussicht auf ewiges Leben irgendwie verlockend erscheinen. Selbst wenn es todlangweilig wäre.
    Die Geschichte erzählt sich ja aus der "Ich-Perspektive" von Jamie, die ich hier sehr gelungen finde. Allerdings fehlt etwas der Gruselfaktor, auch wenn King über die Jahrzehnte von Jamies Leben die Spannung aufrecht erhält.


    Für Kings Revival gebe ich 4 von 5 Sternen. Schlecht ist er nicht, es ist aber nicht der Horror-Schocker den ich erwartet hatte.